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09.09.2011 – UZ - Generalermächtigung
Gastkolumne von Klaus Wagener
Wer auch immer welche Fäden gezogen hat, die Konsequenz aus den brutalen Ereignissen des 11. September 2001 war für die bedenkenlos rechtsradikale Bush-Regierung eine Art universale Generalermächtigung. Eine Generalermächtigung zum Angriffskrieg auf nichtkriegführende, souveräne Staaten, zur offiziellen Errichtung von Folterlagern, zur Verkündung einer Doktrin des nuklearen Erstschlags, zur exzessiven Ausweitung der inneren Repression und Überwachung, zur Ermordung Hunderttausender, vermutlich mehr als einer Million Menschen. Im Kern ist es die politisch-operative Umsetzung der schon Mitte der 1990er Jahre formulierten globalen Hegemonialkonzeption der US-Geostrategen. Allerdings in einer besonders arrogant-anmaßenden Form.
Die Dialektik des imperialen Faustrechts läuft allerdings nicht gerade auf eine Stärkung des Hegemonen heraus. Zehn Jahre später steht die "einzige Weltmacht" vor einem kaum zu überschauenden Scherbenhaufen: einer schwer traumatisierten Kriegsgeneration, einer sozialökonomischen wie kulturellen Depression, lähmender gesellschaftlicher Verschuldung, erdrückenden Militärausgaben und politischer Paralyse. Der Hybris der Bush-Jahre folgte der tiefe Fall. Frömmelnde Heilsprediger erobern die politische Bühne. Mehr dazu (72 KB)
20.11.2010 - Zeitung vum Lëtzebuerger Vollek - Kissingers Verstrickung belegt
Dokumente über Rolle der USA beim Chile-Putsch in Santiago übergeben
Santiago – Mehr als 20.000 Dokumente über die Verwicklung der USA in den Putsch gegen die Regierung der Unidad Popular von Präsident Salvador Allende am 11. September 1973 sind jetzt dem Museum der Erinnerung und Menschenrechte in der chilenischen Hauptstadt Santiago ausgehändigt worden.
Die ehemaligen Geheimpapiere aus US-amerikanischen Archiven wurden am Mittwoch durch Peter Kornbluh, einen leitenden Mitarbeiter der George-Washington-Universität in der USA-Hauptstadt, übergeben. Durch die Unterlagen werde eindeutig belegt, daß der damalige USA-Außenminister Henry Kissinger die Pläne Washingtons gegen die Allende-Regierung entwickelt hat, so Kornbluh. Kissinger sei auch dafür verantwortlich gewesen, daß die USA der Pinochet-Diktatur (1973-1990) wirtschaftliche und militärische Hilfe hatten zukommen lassen. Mehr dazu (92 KB)
03.12.2009 – jw – Von André Scheer - Ehrung für Victor Jara
Chile: 36 Jahre nach seiner Ermordung wird der Sänger würdig zu Grabe getragen. Bündnis gegen rechts gefordert
Victor Jara soll 36 Jahre nach seinem Tod endlich ein würdiges Begräbnis bekommen. Der chilenische Volkssänger war kurz nach dem Putsch gegen den demokratisch gewählten Präsidenten Salvador Allende im Stadion von Santiago de Chile, das heute seinen Namen trägt, brutal ermordet worden. Seine Witwe Joan Jara durfte ihn damals nur in aller Stille und in Begleitung von zwei Personen bestatten. Jahrzehntelang blieb das Verbrechen ungesühnt, bis vor wenigen Monaten die chilenische Justiz endlich begann, gegen die mutmaßlichen Mörder Jaras zu ermitteln. Sein Leichnam wurde auf Anordnung des Richters Juan Eduardo Fuentes Belmar exhumiert und dem Gerichtsmedizinischen Dienst übergeben. Dessen Untersuchungen bestätigten, daß Jara von den Putschisten gefoltert und anschließend mit zahlreichen Schüssen ermordet worden.
Der Richter hatte im Mai ein Verfahren gegen den damals als Rekrut im Stadion dienenden José Paredes eröffnet, der zunächst gestanden hatte, Schüsse auf Jara abgegeben zu haben, diese Aussage später jedoch widerrief. Ebenfalls im Visier der Ermittlungen stand der damalige Chef des illegalen Gefangenenlagers, Oberst Mario Manríquez. Chilenische Parlamentsabgeordnete und Vertreter von Menschenrechtsorganisationen kritisierten jedoch, daß derjenige, der den Befehl zur Ermordung Victor Jaras gegeben hatte, von den Ermittlungen ausgespart blieb. Aussagen von Opfern, die wie Jara im Stadion von Santiago eingesperrt und gefoltert worden waren, wiesen auf einen Oberst hin, der damals unter dem Namen »Der Prinz« bekannt und gefürchtet war. Journalisten identifizierten diesen schließlich als Edwin Dimter Bianchi, der seine Beteiligung an der Tat bislang jedoch abstreitet. Mehr dazu (76 KB)
19.08.2009 – jw - Von Benjamin Beutler - Die Nixon-Médici-Connection
»Geheimes Protokoll« veröffentlicht: USA warben für Chile-Putsch 1973
Die Dokumente, die am Sonntag in den USA veröffentlicht wurden, haben es in sich. Demnach waren die USA unter Präsident Richard Nixon (1969–1974) nicht nur direkt am Putsch gegen den chilenischen Präsidenten Salvador Allende am 11. September 1973 beteiligt. Sie warben zudem offenbar bei anderen lateinamerikanischen Staaten, mindestens jedoch bei der brasilianischen Militärjunta, um Unterstützung hierfür. Dieses geht aus einem »geheimen Gesprächsprotokoll« hervor, das nun zur Veröffentlichung freigegeben und vom an der George-Washington-Universität ansässigen »Nationale Sicherheitsarchiv« vorgestellt wurde. Mehr dazu (20 KB)
27.06.2008 - Fidel Castro: Salvador Allende, ein bleibendes Beispiel
Er wurde vor einhundert Jahren, am 26. Juni 1908, in Valparaiso, im Süden von Chile, geboren. Sein Vater gehörte dem Mittelstand an, war Rechtsanwalt und Notar und Mitglied der chilenischen Radikalen Partei. Als ich geboren wurde, war Allende 18 Jahre alt. Seine Schulausbildung der mittleren Reife erfolgte in einem Gymnasium seiner Heimatstadt.
Während seiner Gymnasialjahre kommt er über einen alten Anarchisten, Juan Demarchi, mit den Büchern von Karl Marx in Berührung.
Er schließt die Schule als Bestschüler ab. Er mag und treibt Sport. Er tritt freiwillig in das Regiment Coraceros von Viña del Mar zum Militärdienst ein. Er bittet um Umsetzung in das Regiment Lanceros von Tacna, einer chilenischen Enklave im trockenen und halb wüstenartigen Norden, der später an Peru zurückgegeben wurde. Bei Abschluss seines Militärdienstes wird er zum Reserveoffizier der Armee. Dies tut er schon als ein Mensch mit sozialistischen und marxistischen Ideen. Es handelte sich nicht um einen weichlichen Jüngling ohne Charakter. Es war so, als ob er voraussehen würde, dass er eines Tages bis zum Tode kämpfen würde, um seine Überzeugungen zu verteidigen, die schon in seinem Kopf zu reifen begannen. Mehr dazu (56 KB)
Victor Jara - 1938-1973
"Er war einer der großen Helden des wirklichen Volksliedes, eine der Lichtgestalten in Lateinamerika, ein Che Guevara mit Gitarre."
"Victor Jara war ein Künstler. Er war einer von uns. Die Trauer über unseren toten Helden macht ihn nicht wieder lebendig. Aber die Erfüllung seines Traumes von einer Welt der Menschlichkeit, der Liebe und des Friedens wird ihn unsterblich machen."
Harry Belafonte
Victor Jara wurde im Jahre 1938 geboren als Sohn einer Wäscherin und eines Landarbeiters. Dank seines Talents und seines Willens studierte er trotz der sozialen Schranken in Chile an der Universität und wurde bekannter Schauspieler und Regisseur. Mit der Zeit machte er sich auch als Sänger und Liedermacher einen Namen, zuerst mit traditionellen Lieder, später auch mit eigenen, politischen Chansons. Jara unterstützte nicht nur die Unidad Popular und Salvador Allende im Wahlkampf, er wurde zur Stimme der Hoffnung des chilenischen Volkes auf Freiheit und Gerechtigkeit.
Während dem Putsch Pinochets im Jahre 1973 wurde Victor Jara zusammen mit Tausenden Leidensgenossen ins Fussballstadion von Santiago de Chile gesperrt. Als er mit seiner Gitarre zum Singen ansetzte, hackten die Wächter dem Musiker die Hände ab. Er sang trotzdem weiter und wurde schliesslich erschossen, sein Leichnam, durchsäht von Dutzenden Schusswunden, im Stadion verscharrt. Aber ihr Ziel, Victor Jara zum Schweigen zu bringen, haben die Häscher des Faschismus nicht erreicht. Im Gegenteil, der Geist dieses Märtyrers der Menschlichkeit wird fortleben, solange man seine Lieder singt.
Victor Jara
sein letztes Gedicht, geschrieben vor seinem Tod im Fußballstadion von Santiago de Chile im September 1973.
Es sind fünftausend von uns hier
in diesem kleinen Stückchen Stadt.
Wir sind fünftausend.
Ich wüßte gern, wie viele wir sind
in den Städten und im ganzen Land?
Hier allein
sind zehntausend Hände, die pflanzen
und die Fabriken betreiben.
Wieviel Menschlichkeit
ausgesetzt dem Hunger, der Kälte, der Angst, der Qual,
der Unterdrückung, dem Terror, dem Wahnsinn?
Sechs von uns sind verloren
wie im Weltraum.
Einer tot, einer geschlagen, wie ich nie geglaubt hätte,
daß ein Menschenwesen geschlagen werden kann.
Die anderen vier wollten ihre Qualen beenden –
einer sprang ins Nichts,
einer schlug den Kopf gegen die Mauer,
aber alle mit dem starren Blick des Todes.
Was für ein Grauen die Fratze des Faschismus schafft!
Sie führen ihre Pläne mit der Präzision von Messern aus.
Ihnen ist alles gleich.
Für sie ist Blut wie ein Orden,
Schlächterei eine Heldentat.
O Gott, ist das die Welt, die du geschaffen hast?
Dafür deine sieben Tage voll Wundern und Taten?
In diesen vier Wänden gibt es nur eine Zahl,
die sich nicht vermehrt.
Die sich mehr und mehr nach dem Tode sehnt.
Aber plötzlich erwacht mein Gewissen
und ich sehe diesen Strom ohne Herzklopfen,
nur den Rhythmus von Maschinen
und die Militärs, die ihre Hebammen-Gesichter aufsetzen, voller Zärtlichkeit.
Laßt Mexico, Cuba und die Welt
gegen diese Schändlichkeit protestieren!
Wir sind zehntausend Hände,
die nichts produzieren können.
Wie viele von uns im ganzen Land?
Das Blut unseres Präsidenten, unseres compañeros,
wird kühner kämpfen als Bomben und Maschinengewehre!
Auch unsere Faust wird wieder kämpfen.
Wie schwer ist das Singen,
wenn ich den Schrecken singen muß.
Den Schrecken, den ich lebe,
den Schrecken, den ich sterbe.
Mich selbst unter so vielen sehen
und so viele Augenblicke der Unendlichkeit,
in denen Schweigen und Schreie
das Ende meines Gesanges sind.
Was ich sehe, habe ich nie gesehen.
Was ich gefühlt habe und was ich fühle,
wird den Augenblick erschaffen ...
Quelle:
Victor Jara - Chile, mein Land, offen und wild
Sein Leben, erzählt von Joan Jara
rororo aktuell 5523
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