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Nathalie Cardone
Hasta Siempre Comandante Che Guevara

Der gesamte Artikel Der Weg nach Kuba. Comandante der Kubanischen Revolution. Der Internationalist als PDF-Datei. (71 KB)

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Ernesto Guevara - Comandante CHE - Kämpfer - Internationalist - Kommunist

Che-Fedel“Es gibt für uns keine gültige Bestimmungche

 des Sozialismus außer: Abschaffung der Ausbeutung des Menschen durch den Menschen.”

"Ein wahrhafter Internationalist ist derjenige, welcher fähig ist, Beklemmung zu fühlen, wenn ein Mensch in einem anderen Teil der Welt ermordet wird, und der begeistert ist, wenn in irgendeinem Teil der Welt die Fahne der Freiheit aufgepflanzt wird!" (CHE)

 

14.06.2008 - Erinnerungen an Che Guevara. Fidel Castro im Gespräch mit Ignacio Ramonet

che-a1»Wir erlernten die Kunst des Krieges mitten im Kampf«

In seiner im Mai 2006 in Kuba erschienenen Autobiographie »Cien horas con Fidel« (Hundert Stunden mit Fidel) äußert sich der kubanische Revolutionsführer im Gespräch mit dem spanisch-französischen Journalisten und ATTAC-Mitbegründer Ignacio Ramonet auch über seine langjährige Freundschaft mit Che Guevara. Wir veröffentlichen eine gekürzte Fassung des siebten Kapitels.

*/Nachdem Sie zwei Jahre auf der Isla de Pinos im Gefängnis verbracht haben, gehen Sie ins Exil nach Mexiko. Bei Ihrer Ankunft treffen Sie das erste Mal auf Ernesto Che Guevara. Ich hätte gerne gewußt, unter welchen Umständen Sie ihn kennenlernten./*

Ich liebe es, über Che zu sprechen, wirklich.(1) Man kennt die Reisen Ches aus der Zeit, als er in Argentinien studierte. Die Motorradreisen durch sein Land (2), später durch andere lateinamerikanische Länder wie Chile, Peru und Bolivien (3). Vergessen wir nicht, daß es in Bolivien im Jahr 1952, nach dem Militärputsch von 1951, eine starke Arbeiter- und Bauernbewegung gegeben hat, die einiges erreicht hat mit ihrem Kampf.(4)  Mehr dazu (52 KB)

 

14.06.2008 - Zum Geburtstag von Ernesto Guevara

Liebe Freundinnen und Freunde, Genossinnen und Genossen:

Am heutigen Tag wäre Ernesto Guevara achtzig Jahre alt geworden. Ich habe das zum Anlass genommen, einen -wie ich finde- bemerkenswerten Brief Guevaras aus dem Jahre 1965 zu übersetzen. Der Empfänger, Armando Hart Dávalos, war zum damaligen Zeitpunkt Erziehungsminister und ist heute noch Mitglied des ZK der KP Kubas.

Wie ich herausfand, existiert bereits eine deutsche Übersetzung dieses Briefes; sie war mir aber nicht zugänglich. Ich hoffe, eine evtl. Wiederholung löst keine Langeweile aus.

Ich möchte Euch und uns zu diesem Jahrestag, der in Habanna mit einer überwältigenden Kulturveranstaltung angemessen gefeiert wurde, gratulieren. Die Übersetzung des Briefes möchte Anlass sein, daran zu erinnern, dass Che Guevara nicht nur Revolutionär der Praxis, sondern auch ein marxistischer Denker mit klaren Kriterien war; zwei Fähigkeiten, die untrennbar sind und uns in ihrer Einheit einen Vorschein davon geben, wozu wir in der Lage sein können.

Revolutionäre Grüße aus Habanna.

Tobias. - Zum Brief (76 KB)

 

DKP-Kuba-AG; 09.09.2007 von Tobias Kriele: Faltblatt zum 40. Todestag Che Guevaras

Aus dem Inhalt:

Die Ermordung des Che; Vom Humanisten zum Kommunisten; Kuba ist der Che - Der Che ist Kuba; Unsere Solidarität muss praktisch werden; Freiheit für die Cinco; Was ist aus dem Leben des Che zu lernen?

Die Ermordung des Che

Am 9. Oktober 1967 wurde gemeldet, dass ein Spezialkommando der bolivianischen Armee in der Nähe des Städtchens La Higuera eine Guerillagruppe aufgerieben habe, deren Anführer Ernesto „Che“ Guevara gewesen sei. Heute weiß man, dass Che Guevara nach einem Gefecht mit einer Handlangertruppe der CIA kampfunfähig festgenommen und in Gefangenschaft kaltblütig ermordet wurde.

Dreißig Jahre später gelang es kubanischen Spezialisten, Knochenfunde in Bolivien als die Überreste des Che und einiger seiner Kampfgefährten zu identifizieren. Sie wurden 1997 nach Kuba gebracht und dort in einem Staatsakt im Mausoleum zu Santa Clara beigesetzt.

Che Guevara wurde nicht älter als neununddreißig Jahre. Dennoch hinterließ er ein außergewöhnliches theoretisches wie praktisches Werk, auf welchem sich seine bis heute ungebrochene Popularität begründet. Das Che-Porträt des Photographen Alberto Korda aus dem Jahr 1960 wurde zur Vorlage für eine beispielslose Vervielfältigung eines romantischen Abbildes, an deren Ende der  oftmals nur eine leblose Ikone übrigzubleiben droht.

Der vierzigste Jahrestag seiner Ermordung soll Anlaß genug sein zu fragen: Wer war dieser Che Guevara? Was ist aus seinem Wirken zu lernen?

 Vom Humanisten zum Kommunisten

Auf seinen legendären Reisen in jungen Jahren durch den lateinamerikanischen Kontinent wurde der Medizinstudent Ernesto Guevara mit der Misere konfrontiert, welche das Leben der unterdrückten Klassen und Bevölkerungsgruppen prägt.

Das gesamte Faltblatt (29 KB)

 

Ernesto Guevara - Aus dem Leben und vom Wirken

von André Scheer - veröffentlicht in “unsere zeit - Zeitung der DKP” September/Oktober 2007

Der Weg nach Kuba

Ernesto Che Guevara (Teil 1)

Der junge Arzt, der sich am 7. Juli 1953 auf einem Bahnhof in Buenos Aires von seinen Eltern verabschiedete, ahnte nicht, dass dies ein Abschied für immer von seinem Heimatland war. Auch seine Mutter Celia und sein Vater Ernesto hofften, dass ihr Sohn, der erst vor drei Monaten seine letzten Universitätsprüfungen bestanden hatte, nach diesem letzten Ausflug ruhiger werden und eine Arztpraxis eröffnen würde. Schon von seiner letzten Reise, die er im Jahr zuvor mit seinem Freund Alberto auf einem klapprigen Motorrad unternommen hatte und die ihn durch Chile, Peru, Bolivien und schließlich Venezuela führte, hatte er nur heimkehren können, weil ihm ein Onkel den Flug von Caracas nach Hause bezahlte.

Weder der junge Ernesto noch seine Eltern ahnten, dass wenige Tage später, am 26. Juli 1953, der junge kubanische Rechtsanwalt Fidel Castro zusammen mit rund 160 Mitkämpfern zwei Kasernen in Santiago de Cuba angreifen würde um damit das Signal zum Sturz des verhassten Diktators Batista zu geben. Aber auch wenn sie es gewusst hätten, wäre ihnen wohl kaum in den Sinn gekommen, dass es irgendeine Bedeutung für sie haben könnte. Die Reise hatte für Ernesto keinen tieferen politischen Sinn, auch wenn die Herrschaft Juan Domingo Peróns nach dem Tod seiner in Argentinien heute noch verehrten Frau Evita immer unangenehmere Züge annahm. Ernesto floh "einfach nur vor all den Dingen, die mich störten", wie er später in einem Brief schrieb.

Ernesto Guevara, der zwei Wochen zuvor seinen 25. Geburtstag gefeiert hatte, wurde bei dieser Reise von seinem Freund Carlos "Calica" Ferrer begleitet. Ihr Ziel war Caracas, wo Alberto Granado, Ernestos Gefährte bei der gemeinsamen Motorrad-Reise im Vorjahr, in einem Lepra-Krankenhaus arbeitete. Doch zunächst führte sie ihr Weg in die bolivianische Hauptstadt La Paz, denn die Reise mit der Eisenbahn war die günstigste Reisemöglichkeiten für die jungen und finanziell immer klammen Leute. Heute wäre eine solche Reise übrigens kaum mehr möglich, da die Privatisierung der argentinischen Eisenbahn Anfang der 90er Jahre zu so massiven Streckenstilllegungen geführt hat, dass ganze Regionen Argentiniens vom Eisenbahnverkehr abgeschnitten und vom Zugverkehr lebende Ortschaften zu Geisterstädten wurden.

Das La Paz, in das Ernesto und "Calica" kamen, war eine brodelnde Stadt. Im Jahr zuvor war die Revolutionäre Nationalistische Bewegung (MNR) unter Víctor Paz Estenssoro an die Macht gekommen und hatte Reformen eingeleitet, die Ernesto zunächst begeisterten. Die Schaffung von Milizen zur Verteidigung der Revolution, die Bodenreform und die Verstaatlichung der Zinnminen fanden seine Unterstützung. "Die Regierung wird vom bewaffneten Volk unterstützt, also kann sie nicht durch einen bewaffneten Angriff aus dem Ausland gestürzt werden. Sie kann nur ihren eigenen inneren Streitigkeiten unterliegen", schrieb er in einem Brief an seine Freundin Tita Infante. Doch schnell erkannte er auch die inneren Widersprüche und Halbheiten des Prozesses. Während er bei einem Termin mit dem bolivianischen Minister für Indio-Angelegenheiten, Ñuflo Chaflés, darauf wartete, vorgelassen zu werden, musste er entsetzt erleben, wie die vielen ebenfalls wartenden Indios von einem Mitarbeiter des Ministeriums mit Insektenvernichtungsmitteln abgesprüht wurden. Ernesto kommentierte in einem Brief: "Die Leute, die an der Macht sind, besprühen die Indianer mit DDT um sie zeitweise von ihren Flöhen zu befreien, lösen aber nicht das eigentliche Problem, nämlich die Ausbreitung der Insekten."

Wenige Wochen später setzten sie ihren Weg in Richtung Caracas fort. Sie umgingen den brasilianischen Regenwald und reisten zunächst nach Peru und von Lima aus im Autobus nach Guayaquil in Ecuador. Hier schlossen sich den zwei Reisenden weitere junge Argentinier an, die Ernesto schließlich überredeten, statt nach Venezuela lieber nach Guatemala weiterzureisen. Dort war unter dem Präsidenten Jacobo Arbenz ein Reformprozess eingeleitet worden, der in vielem dem Entwicklungsprozess in Bolivien glich und in gewisser Weise sogar radikaler war.

Guatemala war jahrzehntelang praktisch Privateigentum des größten US-amerikanischen Obst-Konzerns, der United Fruit Company, gewesen. Der Konzern betrieb Plantagen, die Post, die Eisenbahn und kontrollierte den einzigen Karibikhafen. 1936 war der "Krake", wie die United Fruit Company im Volksmund hieß, bereits der größte Großgrundbesitzer Guatemalas geworden. Dabei konnte der Konzern auf die tatkräftige Hilfe des Diktators Jorge Ubico zählen, der den steuerfreien Import von allen nötigen Baumaterialien erlaubte und nur geringe Exportzölle auf die Bananenausfuhr verlangte. Als Gegenleistung konnte er sich auf die Unterstützung durch die USA verlassen.

Nicht so sein linksliberaler Nachfolger Arbenz. Er wollte per Gesetz bessere Arbeitsbedingungen, Mindestlöhne und Sozialleistungen einführen. Die United Fruit Company sah darin "Kommunismus", protestierte beim US-Außenministerium und forderte einen Staatsstreich in Guatemala. Als Arbenz dann auch noch ein staatliches Verkehrsnetz gegen das Monopol des "Kraken" ankündigte und mit einer Agrarreform die großen Latifundien an Kleinbauern verteilen wollte, schickte die CIA ihre ersten Agenten in das mittelamerikanische Land.

Ernesto traf rund ein halbes Jahr vor dem Staatsstreich in Guatemala ein. Hier wurde er der "Che", wie ihn seine Freunde in Anspielung auf seinen argentinischen Dialekt nannten. "Che" ist eine in Argentinien damals wie heute häufig gebrauchte Anrede, etwa mit "He du" zu übersetzen. Che erlebte, wie die CIA mit einer planmäßig durchgezogenen Propaganda-Kampagne den Boden für den Sturz der demokratisch gewählten Regierung bereitete.

Im August 1953 hatte der US-amerikanische Nationale Sicherheitsrat knapp drei Millionen Dollar für den Sturz der demokratischen Regierung Guatemalas bewilligt. Sie wurden von der CIA in die Ausbildung einer Gruppe Paramilitärs sowie in einen geheimen Radiosender investiert, der am 1. Mai 1954 von Honduras aus den Betrieb aufnahm. Seine Aufgabe war es, durch das Streuen von Gerüchten den Eindruck zu erwecken, dass sich an der Grenze zu Guatemala eine große Armee auf eine Invasion vorbereite, um die Regierung von Arbenz zu stürzen. Diese Strategie zeigte Wirkung, als am Abend des 16. Juni 1954 tatsächlich rund 150 Paramilitärs das Land überfielen. Während der staatliche Rundfunk gestört wurde, sendete der CIA-Sender Falschmeldungen über Erfolge der Putschisten und löste damit während der zehn Tage dauernden Kämpfe unter den Anhängern der Regierung Panik aus. Präsident Arbenz erklärte am 27. Juni 1954 seinen Rücktritt.

Nach der Machtübernahme gehörte zu den ersten Amtshandlungen der Putschisten die Rücknahme der Arbeiterschutzgesetze und der Agrarreform. Die United Fruit Company war wieder Herr im Land.

Che, der sich aktiv an der Verteidigung der verfassungsmäßigen Regierung beteiligt hatte, floh in die argentinische Botschaft. Rund einen Monat blieb er dort und weigerte sich auch, mit einem Flugzeug nach Buenos Aires zurückzukehren, das Perón den argentinischen Bürgern in Guatemala geschickt hatte. Stattdessen entschied er sich, nach Mexiko weiterzureisen. Dort wollte er sich mit der damals 29 Jahre alten Peruanerin Hilda Gadea wiedertreffen, die er in Guatemala kennengelernt hatte.

Hilda Gadea hatte in Lima Wirtschaft studiert und war als erste Frau Mitglied der Parteiführung der peruanischen APRA (Revolutionäre Amerikanische Volksallianz) gewesen, einer 1924 als lateinamerikanische Bewegung und 1930 als peruanische Partei gegründeten Organisation mit damals antiimperialistischer Ausrichtung. Heute hat diese Partei, die den peruanischen Staatspräsidenten Alan García stellt, mit ihren Wurzeln kaum mehr etwas gemein, aber in den 50er Jahren verfügte sie noch über einen starken marxistischen Flügel, dem auch Hilda Gadea angehörte.

Nach einem Staatsstreich musste Gadea 1948 Peru verlassen und nach Guatemala ins Exil gehen. Hier arbeitete sie für die Regierung von Jacobo Arbenz, als sie Che Guevara kennenlernte und sich mit ihm anfreundete. Sie half dem chronisch unter Geldmangel leidenden Che finanziell aus und besorgte ihm Medikamente gegen sein Asthma, vor allem aber diskutierte sie lange mit ihm über die fortschrittlichen Entwicklungen in Bolivien und Guatemala, über die Sowjetunion und viele andere Themen. Durch Hilda Gadea lernte Che auch eine Gruppe kubanischer Anhänger Fidel Castros kennen, die in Guatemala im Exil lebten. Zunächst soll Che skeptisch auf die Berichte über den revolutionären Kampf in Kuba reagiert haben. Nach und nach gelang es den Kubanern aber, in ihm Interesse an der Bewegung zu wecken. Das dürfte für Che und Hilda einer der Hauptgründe für den Entschluss gewesen sein, nach Mexiko zu gehen, wo sie am 18. August 1955 heirateten, nachdem Hilda schwanger geworden war. Am 15. Februar 1956 wurde ihre Tochter Hilda Beatriz geboren.

Ein langes Eheleben blieb ihnen jedoch nicht vergönnt. Ende 1956 schiffte sich Che mit Fidel Castro, den er in Mexiko kennengelernt hatte, auf der Yacht Granma nach Kuba ein. Nachdem Che während des Guerrillakampfes in der Sierra Maestra seine künftige zweite Frau, Aleida March, kennengelernt hatte, wurde kurz nach dem Sieg der Revolution die Ehe zwischen Hilda und Che geschieden. Das hinderte Hilda Gadea nicht daran, mit ihrer Tochter in das revolutionäre Kuba zu gehen, wo sie bis zu ihrem Tod 1974 in hohen Funktionen für die kubanische Regierung arbeitete.

Comandante der Kubanischen Revolution

Ernesto Che Guevara (Teil 2) - Von André Scheer

Am 2. Dezember 1956 näherte sich eine Yacht der Südküste Kubas und landete bei Las Coloradas in der Provinz Oriente. An Bord waren Fidel Castro und 81 weitere Kämpfer, die mit ihrer Landung den Kampf für den Sturz des Diktators Batista fortsetzen wollten, den sie am 26. Juli 1953 mit dem Sturm auf die Moncada-Kaserne in Santiago de Cuba begonnen hatten. Aber die Landung wurde eher ein Schiffbruch. Nach einer tagelangen Überfahrt von Mexiko nach Kuba durch stürmisches Wetter lief das völlig überladene Boot auf Sand auf, das Beiboot war leck und ging unter. So musste die Gruppe von 82 Kämpfern, die sich an Bord befunden hatten, durch das Wasser an Land waten. Nur die Waffen und etwas Verpflegung konnten sie mitnehmen, während sie von den Flugzeugen der kubanischen Luftwaffe beschossen wurden. Sie schlugen sich tagelang durch Mangrovensümpfe und Zuckerrohrfelder. Vollkommen erschöpft kamen sie drei Tage später, am 5. Dezember, in Alegría de Pío an, wo sie eine Pause einlegten.

Unter den erschöpften Rebellen, die sich auf dem Boden niedergelassen hatten, befand sich auch Ernesto Che Guevara, der sich in Mexiko Fidel Castro angeschlossen hatte. Er war der Arzt der Gruppe und behandelte gerade die wunden Füße seiner Compañeros, als plötzlich Schüsse krachten und ein Kugelregen über die Gruppe herein brach, die nur noch ihre Gewehre und einige wenige Patronen besaß. Fast die Hälfte der Gruppe fiel bei diesem Überfall der Batista-Truppen, 20 wurden gefangen genommen, einige von ihnen sofort erschossen.

In seinem Buch "Pasajes de la guerra revolucionaria", das nach dem Sieg der Revolution in Kuba erschien, erinnerte sich Che Guevara an das Gefecht: "In diesem Moment ließ ein Compañero eine Kiste mit Kugeln fast auf meine Füße fallen. Ich machte ihn darauf aufmerksam und der Mann antwortete mir mit einem Gesicht, an das ich mich genau erinnern kann, weil sich auf ihm der große Schrecken des Mannes widerspiegelte. Er sagte so etwas wie ´Jetzt ist nicht die Zeit für Munitionskisten´ und rannte sofort weiter (später wurde er von den Schergen Batistas ermordet). Vielleicht war dies das erste Mal, dass ich ganz praktisch vor der Entscheidung zwischen meiner medizinischen Aufgabe und meiner Pflicht als revolutionärer Soldat stand. Ich hatte vor mir eine Kiste voller Medikamente und eine Kiste mit Munition, zusammen waren sie zu schwer, um sie beide zu transportieren. Ich nahm die Munitionskiste und ließ die Medikamente zurück, um die Lichtung zu überqueren, die mich von den Zuckerrohrfeldern trennte."

Ein "Abenteurer?"

Che hatte seine Entscheidung getroffen - für den Kämpfer und gegen den Arzt. Das hat dazu geführt, dass viele bürgerliche Journalisten (und Filmemacher) in Che nur den Abenteurer sahen. Mit der geschichtlichen Realität hat dieses Bild jedoch nichts zu tun. Nicht nur, weil Che auch weiterhin seine Compañeras und Compañeros und auch die Landbevölkerung behandelte, was mit entscheidend für die wachsende Unterstützung der Guerilleros durch die Bauern war, die oft in ihrem ganzen Leben noch nie einen Arzt gesehen hatten. Vor allem ignoriert das verkürzte Bild vom ewigen Rebellen den aktiven Einsatz Ches beim Aufbau des neuen Kuba nach dem Sieg der Revolution und seine wichtigen theoretischen Beiträge. "Immer wenn jemand für eine wichtige Aufgabe gebraucht wurde, stand Che bereit", erinnerte sich Fidel Castro.

Am 26. November 1959, fast ein Jahr nach dem siegreichen Einzug der "Bärtigen", wie die Guerilleros von der Bevölkerung genannt wurden, ernannte Fidel Che zum Präsidenten der Nationalbank Kubas. Bei den Weltfestspielen der Jugend 2005 in Caracas erzählte Venezuelas Präsident Hugo Chávez, wie es dazu kam: "Es gibt eine Anekdote, die ich von Fidel gehört habe: Als die Bärtigen aus der Sierra nach Havanna kamen und jetzt die Regierung zu bilden war, fragte Fidel bei einer Sitzung am frühen Morgen: ´Ist hier ein Ökonom (Economista)?´ Che antwortete sofort: ´Ich!´ und Fidel fragte ihn: ´Du bist Ökonom, Che? Ich dachte, du wärst Arzt?´ Che antwortete: ´Oh, ich habe mich verhört, ich habe Kommunist (comunista) verstanden´."

Che hatte zu diesem Zeitpunkt bereits die Industrialisierungsabteilung des Instituts für die Agrarreform geleitet und führende Funktionen in der Rebellenarmee inne, aber er stürzte sich trotzdem ohne zu Zögern in die neue Aufgabe und nahm Unterricht, um seine ökonomischen Kenntnisse auszubauen. Es war ihm klar, dass die Nationalbank eine lebenswichtige Ader der kubanischen Wirtschaft war, durch die alle Finanzen der Insel flossen. Die Devisenreserven Kubas waren vom Batista-Regime geplündert worden, allein 424 Millionen Dollar hatte Batista auf seiner Flucht mit in die USA genommen. Es galt, entschlossene Maßnahmen zu ergreifen, um zu verhindern, dass auch noch die letzten Reserven von privaten Banken in das Ausland geschafft wurden, denn erst am 13. Oktober 1960 wurden alle in Kuba aktiven in- und ausländischen Banken verstaatlicht.

Doch wie sollte das gelingen? Die meisten Fachleute und Techniker hatten sich in die USA abgesetzt, wozu Washington mit Geldangeboten und Einreiseerleichterungen eifrig beitrug. Che zeigte diesen Fachleuten, was er von ihnen hielt, als er unmittelbar nach der Übernahme der Nationalbank-Leitung die neuen Geldscheine mit seinem Spitznamen "Che" unterzeichnete. Die Contras tobten.

Auch wenn es die damaligen Spezialisten nicht wahrhaben wollten und ihre heutigen Kollegen noch immer nicht glauben: Che stellte an der Spitze der Nationalbank keinen Unsinn an. Er hatte bereits umfangreiche Kenntnisse, hatte viel gelesen - darunter auch Marx und Lenin - und war immer bereit, neue Erfahrungen und Erkenntnisse aufzunehmen und umzusetzen. So war es nur konsequent, dass er am 23. Februar 1961 Industrieminister wurde.

Schwierigkeiten des Neuaufbaus

In dieser Funktion erlebte Che selbst die Schwierigkeiten beim Neuaufbau eines revolutionären Staates und fasste sie im Februar 1963 in einem Artikel für die theoretische Zeitschrift "Cuba Socialista" unter dem Titel "Gegen den Bürokratismus" zusammen: "Die ersten Schritte als revolutionärer Staat sowie die ganze Anfangsepoche unserer Regierungsführung blieben stark geprägt von den Grundelementen der Guerillataktik, die auch der staatlichen Verwaltung als Form diente. (...) Bei der Besetzung des ganzen komplexen Apparates der Gesellschaft stießen die Aktionsfelder der ´Verwaltungs-Guerillas´ aufeinander, es gab ständig Reibereien, Anordnungen und Gegenanordnungen, unterschiedliche Auslegungen der Gesetze - die in manchen Fällen auf das genaue Gegenteil hinausliefen - durch Institutionen, die ihre eigenen Diktate in Form von Erlassen herausgaben, unbekümmert um den zentralen Führungsapparat. Nach einem Jahr schmerzlicher Erfahrungen kamen wir zu dem Schluss, es sei unerlässlich, unseren Arbeitsstil völlig umzuwandeln und den Staatsapparat wieder in einer rationalen Weise zu organisieren, gestützt auf die in den sozialistischen Bruderländern bekannten Planungstechniken.

Als Gegenmaßnahme begannen sich also jene mächtigen bürokratischen Apparate zu organisieren, die diese erste Phase des Aufbaus unseres sozialistischen Staates kennzeichnen. Doch der Sprung war zu groß, und eine ganze Reihe von Institutionen, darunter das Industrieministerium, leiteten eine Politik funktioneller Zentralisierung ein, die die Initiative der Betriebsleiter übertrieben eindämmte. Dieses Zentralisierungskonzept erklärt sich aus dem Mangel an mittleren Kadern und der bislang herrschenden anarchistischen Einstellung, die einen enormen Eifer erforderlich machte, um die Erfüllung der Direktiven durchzusetzen. (...) So begann unsere Revolution unter dem Bürokratismus genannten Übel zu leiden."

Che setzte sich detailliert mit den Erscheinungsformen dieses Bürokratismus auseinander, der unter anderem durch das Fehlen von Spezialisten hervorgerufen wurde: "Die Diskussionen pflegen endlos zu sein, ohne dass irgendeiner der Beteiligten die nötige Autorität hat, um seinen Standpunkt durchzusetzen. Nach einer, zwei und mehr Versammlungen bleibt das Problem bestehen, bis es sich schließlich von selber löst oder irgendein Beschluss gefasst werden muss, so schlecht er auch sein mag.

Das fast völlige Fehlen von Kenntnissen, was, wie gesagt, durch eine lange Reihe von Versammlungen wett gemacht wird, führt zum Versammlungsfetischismus, der sich vor allem im Mangel an Weitsicht bei der Lösung der Probleme niederschlägt. In solchen Fällen wird der Bürokratismus, das heißt das Bremsen der gesellschaftlichen Entwicklung in Form von Papierkrieg und Unentschlossenheit, den betroffenen Institutionen zum Schicksal."

Ches Lösung war nicht etwa Aktionismus, wie man angesichts der verbreiteten Klischees über ihn glauben könnte, sondern "die staatlichen Apparate flexibler zu gestalten, um eine strenge, zentrale Kontrolle einzurichten". Und weiter: "Wir müssen die Verantwortlichkeiten eines jeden Funktionärs analysieren, sie so streng wie möglich innerhalb gesetzter Grenzen festlegen, die unter Androhung härtester Strafen nicht überschritten werden dürfen, und auf dieser Basis müssen wir größtmögliche Befugnisse einräumen."

Che war skeptisch gegenüber Versuchen, den Sozialismus mit kapitalistischen Methoden aufbauen zu wollen. Er setzte nicht nur auf materielle Anreize, sondern vor allem auf die Überzeugung der Menschen, auf moralische Werte. In "Der Sozialismus und der Mensch auf Kuba" schrieb er: "Dem Hirngespinst nachjagend, man könne den Sozialismus mit den morschen Waffen verwirklichen, welche der Kapitalismus uns vererbt (die Ware als ökonomische Zelle, die Rentabilität, das individuelle materielle Interesse als Hebelkraft usw.), kann man sich leicht in einer Sackgasse verfangen. (...) Um den Kommunismus aufzubauen, müssen wir mit der materiellen Basis zugleich den neuen Menschen schaffen. Daher ist es so wesentlich, das Instrument für die Mobilisierung der Massen richtig auszuwählen. Dieses Instrument muss grundsätzlich moralischer Art sein - worüber man keineswegs den richtigen Einsatz des materiellen Anreizes, vor allem gesellschaftlicher Natur, außer acht lassen sollte."

In dem 2006 erschienenen ausführlichen Interview mit Ignacio Ramonet unterstreicht Fidel Castro auch heute noch die Bedeutung Ches in den verschiedenen Regierungsfunktionen: "Che war der Mann, der dort sein musste, daran kann es nicht den geringsten Zweifel geben, denn Che war ein Revolutionär, war ein Kommunist und war ein hervorragender Ökonom."

Dritter Teil: Che, der Internationalist

Es gibt keine Grenzen in diesem Kampf
Ernesto Che Guevara (Teil 3) - Von André Scheer

"Ich wurde in Argentinien geboren, das ist für niemanden ein Geheimnis. Ich bin Kubaner und ich bin auch Argentinier und, wenn das die werten Herrschaften Lateinamerikas nicht stört, ich fühle mich so sehr als Patriot Lateinamerikas, jedes Landes Lateinamerikas, wie es nur möglich ist, und in dem Augenblick, in dem es notwendig sein sollte, wäre ich bereit, mein Leben für die Befreiung jedes der Länder Lateinamerikas zu geben, ohne dafür irgend etwas von irgendwem zu verlangen."

Internationalist und Antiimperialist

Che Guevara war ein glühender Internationalist und Antiimperialist. In Guatemala hatte er auf der Seite der demokratisch gewählten Regierung von Jacobo Arbenz gekämpft. In Kuba hatte er sein Leben für die Befreiung riskiert und sich dann mit aller Kraft für den Aufbau einer neuen, sozialistischen Gesellschaft eingesetzt. Als Mitglied der revolutionären Regierung bereiste er die Kontinente. Fidel Castro erinnerte sich im Gespräch mit Ignacio Ramonet: "In den ersten sechs oder sieben Jahren bis 1965 hatte er die Welt umrundet, er hatte Treffen mit Zhu Enlai, mit Nehru, mit Nasser, mit Sukarno, denn er fühlte eine starke internationalistische Bestimmung und interessierte sich sehr für alle diese Probleme. Ich erinnere mich, dass Che mit vielen Leuten sprach, er knüpfte Beziehungen mit Zhu Enlai, er traf sich mit Mao, freundete sich mit den Chinesen an. Er hatte keine Konflikte mit den Sowjets. Aber es war offensichtlich, dass er mehr auf der Seite Chinas stand." Che selbst kritisierte offen den sowjetisch-chinesischen Konflikt: "Schuldig sind auch die, die einen Krieg der Beschimpfungen und des Beinstellens aufrecht erhalten, der schon seit langem von den Vertretern der beiden größten Mächte des sozialistischen Lagers angefangen worden ist."

Im Oktober 1960 leitete Che Guevara die erste offizielle Delegation Kubas in die Sowjetunion. Den US-Amerikanern galt er zu diesem Zeitpunkt, wie das Magazin "Time" formulierte, als das "Hirn der Revolution", während Fidel das Herz und Raúl die Faust seien. Im Rahmen dieser mehrmonatigen Reise besuchte er auch China, Nordkorea, Jugoslawien und die DDR.

Che traf im Dezember 1960 in Berlin ein, um ein Abkommen zwischen dem Ministerium für Außenhandel der DDR und der Nationalbank Kubas zu unterzeichnen und weitere Handelsverträge abzuschließen. Beim anschließenden Empfang traf er zum ersten Mal die junge Deutsch-Argentinierin Tamara Bunke, die gemeinsam mit einer Gruppe junger Lateinamerikaner, die in Berlin lebten, an dem Empfang teilnahm. Anschließend reiste Che nach Leipzig, um sich dort mit Studierenden aus Kuba und anderen Ländern Lateinamerikas zu treffen. Tamara nahm als Argentinierin an dem Treffen teil und begleitete Che außerdem erstmals als Dolmetscherin. Fast sieben Jahre später starb Tamara Bunke alias Guerillera Tania an der Seite Che Guevaras im Guerillakampf in Bolivien.

Während dieser Reise zeigte sich Che tief beeindruckt von den Errungenschaften der Sowjetunion und der anderen sozialistischen Länder. "Wenn ich das Land des Sozialismus, das ich selbst zum ersten Mal besucht habe, jetzt verlasse, nehme ich ... die Eindrücke mit, die die in diesem land verbrachten Tage bei uns hinterlassen haben, in dem Lande, das die tiefste und radikalste Revolution der Welt vollzogen hat."

Die Dankbarkeit für die Unterstützung aus der Sowjetunion, die zum Beispiel den kubanischen Zucker aufkaufte, als die USA ihre Importe von der Insel einstellten, hielt Che nicht davon ab, auch aus seiner Sicht negative Erscheinungen zu kritisieren. Mit Blick auf den ungerechten Welthandel, von dem indirekt auch die sozialistischen Staaten profitierten, forderte er im Februar 1965 bei einem afrikanisch-asiatischen Wirtschaftsforum in Algier: "Die sozialistischen Länder haben die moralische Verpflichtung, ihre taktische Komplizenschaft mit den Ausbeuterstaaten des Westens zu beenden." Vielmehr müsste es den sozialistischen Ländern klar sein, dass sie der Weg der Befreiung der Länder, die sich aus kolonialer Abhängigkeit befreien, etwas kosten würde.

Abreise in den Kongo

Che selbst beschloss, sich nach der Festigung der Kubanischen Revolution wieder in den bewaffneten Kampf einzureihen. Getreu seiner Devise, dass es in diesem Kampf auf Leben und Tod gegen den Imperialismus keine Grenzen gibt, entschied er sich für den Kongo. Sein Kampfgefährte Ulises Estrada Lescaille erinnerte sich im Mai 2007 in einem Artikel für die kubanische Zeitschrift "Bohemia" an diese Zeit: "1965 ging Che an der Spitze einer Hundertschaft kubanischer Militärberater, die das kongolesische Volk unterstützen sollten. Bei seiner Abreise aus Kuba hatte er Fidel, den er als seine revolutionäre Führungspersönlichkeit und Freund bezeichnete, seinen Abschiedsbrief hinterlassen, in dem er auf den Ruf ´anderer Heimaten dieser Erde´ verweist. ... Während der Rundgänge durch die Operationsgebiete der kongolesischen Guerilla wurde ich Zeuge des Elends, in dem die Bauern lebten, das tief verwurzelte Stammesdenken neben den patriarchalen und feudalen Systemen, der Sklaverei und den Religionen. All diese Phänomene wirkten gegen die umfassende organisierte Entwicklung des bewaffneten Kampfes und waren der Grund dafür, dass die Kubaner ihre Arbeit als Militärberater zur Seite schoben und gemeinsam mit den kongolesischen Patrioten kämpften, da dies die effizientere Form des Guerillatrainings und für die Kampfmoral unserer Internationalisten war."

Che war im Kongo Schüler und Lehrer zugleich: er lernte Swahili, um sich mit den Stammesführern und Priestern verständigen zu können, und unterrichtete zugleich in französischer Sprache die kongolesischen Kämpfer.

Letztlich endete der Kampf im Kongo für die Kubaner mit einer Niederlage. Erst 1997 gelang es Laurent-Désiré Kabila, der bereits zu Ches Zeiten im Kongo gekämpft hatte, die jahrzehntelange Diktatur von Mobutu zu stürzen.

Guerillakampf in Bolivien

Für Che Guevara aber begann mit der Niederlage im Kongo die Vorbereitung für den Guerillakampf in Bolivien. Im März 1967 gab es im östlichen zentralbolivianischen Hochland die ersten Zusammenstöße zwischen der Nationalen Befreiungsarmee (ELN) und den bolivianischen Regierungstruppen. Während es der Guerilla in Bolivien jedoch nicht wie in der kubanischen Sierra Maestra gelang, die Unterstützung der Bauern zu gewinnen, erkannte die CIA bald, dass die Aufständischen in dem südamerikanischen Land von dem lange gesuchten und schon zu Lebzeiten legendären Che geführt wurden. Die bolivianische Armee wurden massiv aufgerüstet, nordamerikanische Militärberater beteiligten sich an der Jagd auf Che. Am 31. August 1967 geriet eine Gruppe der ELN in einen Hinterhalt und wurde von den Regierungstruppen massakriert. Dabei starb auch Tamara Bunke, die Guerillera Tania.

Am 8. Oktober lieferten sich die ELN und die Regierungstruppen in der Yuro-Niederung das letzte Gefecht. Che wurde verwundet in einer kleinen Schule in La Higuera streng bewacht, bis in La Paz und Washington der Befehl erteilt wurde, den Comandante zu ermorden. Die Regierenden fürchteten, ein Prozess gegen den Guerillero könnte zu einem mobilisierenden Tribunal gegen den Imperialismus werden. Sie wollten einen Mythos verhindern und Che spurlos verschwinden lassen, als sie ihn nach seiner Ermordung in der Nähe eines kleinen Militärflughafens verscharrten.

Doch Che wurde unsterblich. Noch heute ist sein Bild überall präsent. Auch wenn viele derjenigen, die hierzulande Che auf T-Shirts, Badehosen oder Buttons tragen, kaum mehr als den Namen des Comandante kennen, reicht dies schon aus, um Erzreaktionäre, wie den früheren tschechischen Präsidenten Vaclav Havel, zur Weißglut zu treiben. Sie empören sich darüber, dass in Deutschland und vielen anderen Ländern an jeder Ecke das Bildnis des Revolutionärs allgegenwärtig ist. Sie wissen: Che Guevara ist für sie, für den Imperialismus, noch heute eine Bedrohung. Denn Ches Vermächtnis ist heute so aktuell wie vor 40 Jahren: "Schließlich muss man in Rechnung stellen, dass der Imperialismus als letztes Stadium des Kapitalismus ein weltumspannendes System ist, und dass er in einer großen weltweiten Konfrontation geschlagen werden muss. Das strategische Ziel dieses Kampfes muss die Vernichtung des Imperialismus sein. Der Beitrag, der uns, den Ausgebeuteten und Unterentwickelten dieser Welt, zufällt, besteht darin, dem Imperialismus die Existenzgrundlagen zu entziehen, nämlich unsere unterdrückten Völker, aus denen sie Kapitalien, Rohstoffe, Techniker und billige Arbeitskräfte herausholen ... Sie treiben uns zu diesem Kampf; es bleibt kein anderes Mittel, als ihn vorzubereiten und sich zu entschließen, ihn aufzunehmen."

 

Chronologie

14. Juni 1928:
Geburt Ernesto Guevaras del la Serna in Rosario, Argentinien.

1946 bis 1953:
Student an der Medizinischen Fakultät Buenos Aires.

29. Dezember 1951:
Gemeinsam mit Granado startet er seine erste Reise durch Lateinamerika.

1953:
Nach Abschluss seines Medizinstudiums fährt Guevara nach Bolivien. Am 20. Dezember 1953 kommt er in Guatemala an.

Juni 1954:
Durch einen Staatsstreich, finanziert durch die USA und unterstützt durch die CIA, wird Präsident Jacobo Arbenz gestürzt. Guevara reist nach Mexiko.

Juli 1954:
Begegnung mit Fidel Castro Ruz; nach einem ersten Gespräch fällt Guevara die Entscheidung sich seiner Gruppe anzuschließen.

August 1956:
Gefängnishaft in Mexiko wegen Zugehörigkeit zur Abteilung Fidel Castros.

25. November 1956:
Fahrt auf der Jacht "Granma" nach Kuba, zusammen mit 82 Aufständischen.

1956 bis 1959:
Teilnahme am revolutionären Befreiungskampf auf Kuba, zweimal verwundet.

5. Juni 1957:
Ernennung zum Kommandeur der Vierten Kolonne.

28. bis 31. Dezember 1958:
Kampf um Santa Clara.

1. Januar 1959:
Befreiung von Santa Clara. Der Diktator Fulgencio Batista y Zaldívar (1901-1973) flieht in das Exil.

2. Januar 1959:
Besetzung der Festung La Cabana Havanna.

9. Februar 1959:
Che wird kubanischer Staatsbürger.

26. November 1959:
Ernennung zum Direktor der Nationalbank Kubas.

1959-1961
Guevara besucht mehrmals die DDR und die Sowjetunion.

23. Februar 1961:
Ernennung zum Minister für Industrie.

17. April 1961:
Vereitlung der Invasion in der Schweinebucht.

16. Januar 1964:
Unterzeichnung eines kubanisch-sowjetischen Protokolls über technische Hilfe.

1. April 1965:
Letztes Auftreten in der Öffentlichkeit Kubas.

15. März 1965:
Che schreibt Abschiedsbriefe an die Eltern, an seine Kinder und an Fidel Castro. Er geht in den Kongo.

Oktober 1965:
Auf der Kundgebung zur Gründung der Kommunistischen Partei Kubas verliest Fidel Castro den Brief, in dem Guevara von allen seinen Posten zurücktritt.

7. November 1966:
Ankunft im Partisanenlager in Bolivien, Beginn seiner Aufzeichnungen in einem Tagebuch.

23. März 1967:
Beginn der militärischen Aktionen.

8. Oktober 1967:
Gefecht in der Yuro-Niederung, der verwundete Che gerät in Gefangenschaft und wird auf Anordnung der bolivianischen Regierung und unter Beihilfe der CIA ermordet.

18. Oktober 1967:
Fidel Castro bestätigt, dass Che Guevara in Bolivien den Tod gefunden hat. Eine Million Kubaner nehmen an der Trauerfeier in Havanna teil.

12. Juli 1997:
Die Überreste Che Guevaras wurden in Vallegrande identifiziert. Am gleichen Tag werden sie nach Havanna überführt.